Stolperstein in Hessler: Gedenkzeremonie für Oleksandr Kolosovskij
Am heutigen Dienstag, dem 9. Juni 2026, fand gemeinsam mit der Projektgruppe Stolpersteine in Gelsenkirchen an der Wilhelminenstraße 176 in Gelsenkirchen-Hessler eine Gedenkzeremonie anlässlich des künftigen Stolpersteins für Oleksandr Kolosovskij statt. Der Stolperstein wurde durch den Landtagskandidaten und CDU-Ortsvorsitzenden für Gelsenkirchen-Hessler, Hobie Fischbach, gestiftet und soll zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt werden. Es handelt sich zugleich um den ersten Stolperstein im Stadtteil Hessler.
Die Zeremonie fand im Rahmen des von dem Künstler Gunter Demnig initiierten europaweiten Stolperstein-Projekts statt. Demnig konnte krankheitsbedingt nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Dennoch wurde gemeinsam der Person gedacht, an die künftig mit dem Stolperstein erinnert werden soll.
Der Stolperstein erinnert an das Schicksal des 1924 in der Ukraine geborenen Oleksandr Kolosovskij. Er geriet 1942 in deutsche Kriegsgefangenschaft und wurde zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Nach Einsätzen bei der Klöckner-Werke AG, einer gescheiterten Flucht, erneuter Inhaftierung und der Unterbringung im Arbeitserziehungslager Ohrbeck wurde er schließlich zur Zwangsarbeit auf die Zeche Wilhelmine Victoria in Gelsenkirchen-Hessler gebracht. Erst gegen Ende des Krieges gelang ihm mit Hilfe anderer Menschen die Flucht und letztlich das Überleben.
In seiner Ansprache erinnerte Hobie Fischbach daran, dass die Geschichte Kolosovskijs nicht fern oder abstrakt sei, sondern unmittelbar mit dem eigenen Stadtteil verbunden bleibe: „Die Geschichte von Oleksandr Kolosovskij ist nicht einfach Vergangenheit. Sie hat sich genau hier abgespielt – in unserer Nachbarschaft, auf unseren Straßen, in unserem Stadtteil. Menschen wurden durch den Nationalsozialismus verschleppt, zur Zwangsarbeit gezwungen und ihrer Freiheit beraubt. Und das vor der Haustür unserer Vorfahren. Dennoch gab es Menschen, die geholfen haben, die Menschlichkeit gezeigt und anderen das Überleben ermöglicht haben.“
Fischbach betonte zugleich die besondere Bedeutung des Erinnerns im unmittelbaren Lebensumfeld: „Es ist mir eine große Ehre, die Patenschaft für diesen Stolperstein übernommen zu haben. Möge dieser Stein viele Menschen dazu bewegen, kurz stehen zu bleiben, den Namen zu lesen und über das Schicksal der Person hinter diesem Namen nachzudenken und ihrer zu gedenken. Ich danke der Familie Jordan und der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen für Ihr wirklich wichtiges Wirken in unserer Stadt.“
Mit dem künftigen Stolperstein für Oleksandr Kolosovskij erhält Hessler einen sichtbaren Ort des Erinnerns an die Opfer von Verfolgung, Zwangsarbeit und Entrechtung während der Zeit des Nationalsozialismus. Der Stein soll nach seiner späteren Einsetzung dazu beitragen, historische Verantwortung im Alltag sichtbar zu machen und das Gedenken an die Betroffenen lebendig zu halten.